Der Salzstock Gorleben und seine „Erkundung“:

Geschichte ohne Ende

Warum Gorleben? Warum wollten die politischen Entscheidungsträger hochradioaktiven Atommüll ausgerechnet in einem Salzstock eingelagern, der schon beim ersten Standortvergleich durchfiel? Wir wissen es nicht. Der Gorleben-Untersuchungsausschuß des Bundestages hat zwar viele verblüffende Einzelheiten zutage gefördert. Aber wie immer in solchen Fällen fehlen Akten, können sich Zeugen nicht erinnern. Fakt ist: Im Jahre 1983 nahmen die Bauarbeiten in Gorleben Fahrt auf. Seinerzeit brauchten die Atomkonzerne einen „Entsorgungsnachweis“ für den von ihnen erzeugten Atommüll – die Arbeiten in Gorleben reichten dafür aus.

Gorleben_Bergwerk_Weihn_250webInzwischen sind fast 2 Milliarden Euro in das Endlagerprojekt Gorleben geflossen. Unter Tage ist eine Infrastruktur entstanden, die weit über das hinausgeht, was eine „Erkundung“ erfordert hätte. (Die hätte nur 250 Millionen gekostet.) Und auf der anderen Strassenseite stehen mehr als 100 Behälter mit hochradioaktivem Atommüll, mit Millionenaufwand in das „Zwischenlager“ verfrachtet. Die kühlen zwar im Moment noch ab, müssen aber dann auch irgendwohin.

Es gibt also mehr als genug selbst geschaffene Sachzwänge, die den politisch Verantwortlichen ein Endlager Gorleben aufdrängen. Das Bundeswirtschaftsministerium ist bei diesem Prozess federführend. Ihm unterstellt ist die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), die seit Jahrzehnten die Grundlagen für die Atommüllendlagerung in Salz zu schaffen versuchen. Eine der Studien, die nachweisen soll, wie gut Salz und Atomüll zusammenpassen, heisst „Isibel“. Der Geologe Dr. Schneider hat die Studie untersucht und kritisiert. (mehr) Die wissenschaftlichen Methoden der BGR hat der Geologe Dr. Kleemann untersucht. Mit einem vernichtenden Ergebnis: „Als Diplomarbeit würde so etwas durchfallen“. (mehr)

Fragen von zentraler Bedeutung sprechen gegen den Salzstock: Die Wasserwege, die Atommüll und Aussenwelt miteinander verbinden, das zerlöcherte Deckgebirge über dem Salzstock, die Gasblasen darunter, und einige mehr. Sie hätten nach den Kriterien, die früher – auch von der BGR! – als unabdingbar für ein Endlager angesehen wurden, schon mehrfach zum Ende des Atomprojektes Gorleben geführt. Aber wunderbarerweise wird es am Leben gehalten.

Der starke Widerstand gegen ein Atommüll-“Endlager“ im Gorlebener Salzstock hat zwar erreicht, dass der Weiterbau seit 2014 vorübergehend ausgesetzt wird. Für uns aber kein Grund zur Entwarnung: Das Endlagersuchgesetz von 2013, das auch die GRünen mitgestaltet haben, benennt Gorleben ausdrücklich als möglichen Standort – als einzigen. Und mit ihren Klagen macht die Atomlobby klar, dass sie weiter auf Gorleben setzt.
Im Sommer 2015 läuft die „Veränderungssperre“ des Areals um das geplante „Endlager“ Gorleben aus: Sie untersagt gesetzlich jede Nutzung am Gelände und in der Umgebung, die die Eignung des Salzstockes zur Atommülllagerung beeinträchtigen könnte. Das Bundeskabinett hat bereits beschlossen, diese Veränderungssperre für weitere 10 Jahre Kraft bleiben zu lassen. (Die Zustimmung des Bundesrates steht noch aus.) Gorleben ist der einzige Standort, für den diese Sperre gilt – und weiter gelten würde. Desselbe gilt für die alten “Nießbrauchverträge”, die den Eigentümern der Grundstücke über dem Erkundungsbereich die Nutzung des Untergrundes untersagen: Auch die gelten weiter. Solche Regelungen gibt es für keinen anderen potentiellen Standort.

Gleichzeitig klagen die Energiekonzerne (die gleichzeitig in der “Endlagersuch-Kommission” sitzen) gegen das Endlagersuchgesetz. Sie stehen auf dem Standpunkt, dass der Gorlebener Salzstock für die „Endlagerung“ von hochradioaktivem Müll geeignet sei.
Als die „Endlagersuchkommission“ 2014 eingerichtet wurde, bezeichnete sie der damalige Bundesumweltminister Altmaier als „Ehrenrunde“: Im Grunde läuft die Suche doch auf Gorleben hinaus. Aber es sieht in der Öffentlichkeit besser aus, wenn pro forma auch andere Standorte in den Vergleich geschickt werden. Oder wenigstens ein anderer zumindest angeschaut wird.