Radioaktive Strahlung am Zwischenlager:

Schluss mit der Geheimhaltung!

"Wie hoch sind die Belastungen durch radioaktive Strahlung im Gorleben wirklich?" Das ist die Frage, nachdem bekannt wurde, dass Strahlenexperten von Greenpace die Einsicht in die Akten des Ministeriums verweigert wurde. Laut Greenpeace untersagt das Ministerium auch der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB), ihre Messprotokolle zur Einsicht freizugeben. Und die füge sich, weil sie "geistiges Eigentum" des Ministeriums seien und es damit die "alleinigen Nutzungsrechte" habe. Eine absurde Begründung. Damit bestreitet Minister Sander das elementare Recht der Öffentlichkeit auf Information – ein Recht, das das Umweltministerium nicht zum ersten Mal mit Füssen tritt. Vor wenigen Wochen hat sich das Umweltministerium auch geweigert, den zuständigen Kreistagsausschuss über die Strahlensituation zu informieren. Offenbar ist Sander das Risiko zu groß, dass die Rechenkunststücke seiner Behörde enttarnt werden könnten. Dass mittlerweile auch der wissenschaftliche Dienst des Bundestages und sogar die Gesellschaft für Reaktorsicherheit Sanders Berechnungen kritisieren, juckt die niedersächsische Landesregierung wenig. Offenbar ordnet sie alles einem höheren Ziel unter: Die nächsten Castorentransport nach Gorleben muss stattfinden.

Greenpeace: Umweltminister Sander konnte Manipulationsvorwürfe nicht widerlegen

(Hannover, 10. November 2011) Die Strahlensituation am Zwischenlager Gorleben wird von Greenpeace-Experten deutlich anders beurteilt als vom niedersächsischen Umweltministerium. “Umweltminister Sander hat die Messdaten zweier Behörden kombiniert und dabei willkürlich für das erste Halbjahr 2011 einen erhöhten Wert für die natürlich vorkommende Neutronenstrahlung angesetzt. Der gemessene Gammawert wurde nachträglich verändert und für das zweite Halbjahr auf Null gesetzt,“ teilte Greenpeace heute mit. (Quelle) Und Minister Sander konnte dies bei einem Treffen heute offenbar nicht entkräften. Manipulation, um die Castoren rollen lassen zu können? Sollte der Vorwurf zutreffen, wäre dies ein handfester Skandal. Und würde, weil Greenpeace schon vor 10 Tagen Anzeige gegen Sander erstattet hat, auch zu einem juristischen Nachspiel führen.

Castoren dürfen rollen

Das Niedersächsische Umweltministerium hat nichts dagegen – jetzt passen die Werte angeblich
(Lüchow-Dannenberg, 31. Oktober 2011)
Trotz der erhöhten Strahlungswerte am Zwischenlager Gorleben will das niedersächsische Umweltministeriums dem nächsten Castor-Transport Ende November zustimmen. Umweltstaatssekretär Stefan Birkner begründete das am Montag  mit Messungen der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB), die "ein viel klareres Bild der Strahlensituation vor Ort" geben würden.

Bezeichnenderweise wurden die Abgeordneten im Atomausschuss des Kreistages Lüchow-Dannenberg nicht über die angeblich "klare Strahlensituation" informiert. Ihre Sitzung fand letzte Woche statt, als Experten eingeladen waren die Betreiberin des Zwischenlagers, die GNS (Gesellschaft für Nuklearservice), die Messbehörde NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz), die Genehmigungsbehörde BfS (Bundesamt für Strahlenschutz) und die Aufsichtsbehörde – und auch das Niedersächsische Ministerium für Umwelt. Alle sagten ab, aus unterschiedlichen Gründen.