Die Grippeler Blockade: Ein Augenzeugenbericht

Dieser Augenzeugenbericht eines Teilnehmers an der Blockadeaktion in Grippel erreichte uns zwei Wochen nach dem letzten Castortransport. Die dazugehörigen Fotos finden sie hier.

"Am Abend des 21.11. gegen 17 Uhr fuhren in Grippel zwei Traktoren mit Betonblöcken auf die Castorstrecke. An diese ketteten sich insgesamt 17 (!) Personen an.
Mit den Traktoren hatte die Polizei grosse Schwierigkeiten,obwohl sie eigentlich durch die Blockade-/Ankettaktion vom Vorjahr in Quickborn (eben falls durch Aktivisten der bäuerlichen Notgemeinschaft) hätte vorbereitet gewesen sein müssen.

Mehrere Techniktrupps der Polizei versuchten sich, und letztendlich konnte mit Hilfe hydraulischer Vorrichtungen die Blockade erst gegen 4:30 Uhr morgens beseitigt werden. Der Castortransport erreichte so erst gegen 5:30 Uhr das Zwischenlager in Gorleben.

Fazit: Durch diese Aktionen wurde der Transport um mehrere Stunden verzögert. Ein grosser Erfolg angesichts des wiederum massiven
Polizeiaufgebots. Auch hat diese Aktion vielen Widerständlern im Wendland Mut gemacht für die nächsten Transporte, zeigt sie doch, daß es immer wieder möglich ist,die Polizei mit Mut und einfachen Mitteln zu überraschen.

Schlimme Szenen spielten sich vor der eigentlichen Räumung der Traktoren ab. Innerhalb kürzester Zeit hatten sich mehrere hundert Personen um die Traktoren herum auf der Castorstrecke versammelt. Nach einigen Stunden erging die erste Räumungsaufforderung an alle Personen, die nicht angekettet waren. Zu diesem Zeitpunkt bestand bereits enger Kontakt zwischen dem Sprecher der Angeketteten und dem Einsatzleiter. Es wurde vereinbart, daß erstens pro Angekettetem eine Betreungsperson am Trecker verbleiben könne und daß zweitens vor einer tatsächlichen Räumung der Sprecher der Anketter die Möglichkeit erhält, über Polizeilautsprecher die Menschen zum freiwilligen Rückzug zu bewegen. Als dann nach der 3. Aufforderung der Sprecher der Anketter zum Einsatzleiter eilte, hatte dieser die Absprache angeblich vergessen. Erst durch Intervention eines Konfliktmanagers gestattete er dem Sprecher die Ansage. Die erste Ansage ging im allgemeinen Tohuwabohu völlig unter , so daß der Sprecher eine zweite Ansage nachschob. Mitten in den Satz hinein begann dann die Polizei mit der Räumung. Die Menschen hatten somit überhaupt keine Gelegenheit, die Strasse freiwillig zu verlassen.

Was dann passierte, war voraussehbar und geht voll auf das Konto der Polizei. Ein Schlägertruppe aus Berlin schob die Menschen, die sich zwischen den Traktoren befanden, gegen einen der Traktoren. Es gab keinen Ausweg, die Menschen, darunter auch Kinder und Ältere, wurden immer mehr gegen den Traktor gequetscht. An dieser Traktorseite befanden sich 3 angekettete Personen, darunter einer liegend, die völlig wehrlos
waren, und auf denen herumgetrampelt wurde. Dass sie sich nicht mehr als Prellungen zuzogen, grenzt an ein Wunder.

Die Gefährlichkeit der Situation erkannten auch 4 Konfliktmanager, die sich mit Leibeskräften gegen ihre eigenen Leute stemmten. Dabei wurde einer von ihnen von einem Kollegen mit einem Faustschlag ins Gesicht niedergestreckt. Wohlgemerkt: er war eindeutig als Konfliktmanager erkennbar! Dieser Vorfall, bislang einmalig in Gorleben, spricht eindeutig für die Aggressivität und Hilflosigkeit, in die sich die Polizei ohne Not hineinmanövriert hatte.

Nur massives Einschreiten der Konfliktmanager, Pastoren und anderer besonnener Menschen verhinderte eine schlimmere Katastrophe. Augenzeugen sprechen mit Recht von vorsätzlicher Körperverletzung. Dies wird auf jeden Fall juristische Konsequenzen haben.

Dennoch: Die gute Stimmung, die durch diese Aktionen bei den Widerständlern im Wendland entstanden ist, konnte die Polizeiführung dadurch nicht trüben. Im Gegenteil, viele sagten angesichts der Bauernarme im Beton: Super, das mache ich nächstes Jahr auch! Es soll ja noch reichlich alte Traktoren im Wendland geben...."