Internationales Endlager-Symposium Berlin 2008
Ausrichter war das Bundesministerium für Umwelt, Moderator Dr. Peter Hocke, Institut für Technikfolgenabschätzung u. Systemanalyse.
Im Folgenden ein Bericht von Uli v. Mirbach, der für die Bäuerliche Notgemeinschaft teilgenommen hat.
Mein Eindruck von der
Veranstaltung hier in Kürze wiedergegeben:
Das Ziel dieser Veranstaltung, den Dialog zwischen
Politikern, der interessierten Öffentlichkeit,
Wissenschaftlern und anderen verantwortlichen Akteuren
wieder aufzunehmen ist m.E. erfüllt worden.
Es waren in einem sehr dicht gepackten Programm viele
sachliche, die verschiedenen Meinungen widerspiegelnden,
Vorträge zu hören. Am Freitag konnte man in sechs
verschiedenen Arbeitsgruppen Themen wie:
Entscheidungsverfahren, Transparenz u. Glaubwürdigkeit,
Rückholbarkeit versus sicherer Einschluss (meine),
Wirtsgesteine u. Barrieren, Ethik und
Entscheidungsblockaden etwas ausführlicher bearbeiten und
diskutieren.
Hier muss ich auch mal unsere Vertreter der
Programmkommission (Oppen, Donat, Kruse) loben, die viel
gekämpft haben um gute Vertreter der Gegenposition. Ich
glaube, alle hatten den Eindruck von Ausgewogenheit.
Dennoch wurde klar, dass dieser Dialog weitergeführt werden
muss und das diese Veranstaltung auf keinen Fall die
Öffentlichkeitsbeteiligung für Gorleben war und das man
jetzt wieder zur Tagesordnung übergehen kann.
Der Eröffnungsrede von Sigmar Gabriel habe ich den guten
Willen abgenommen, durchsetzen zu wollen einen weiteren
EL-Standort zu erkunden. Wie er, haben auch andere
Wissenschaftler eingeräumt, dass das bisherige Verfahren
einen Standort zu finden gescheitert ist. Ohne die
Akzeptanz der Bevölkerung ist kein EL zu betreiben. Auch
könnte seiner Meinung nach das OVG dem Ganzen am Schluss
den Todesstoß verpassen, wenn keine Alternative geprüft
worden ist. (Ist aber von anderen bezweifelt worden). Dann
würde man, mit erheblichem Zeitverzug wieder von vorne
anfangen.
Die anschließende kontroverse Podiumsdiskussion zum Thema
Endlagerung hat wieder die unversöhnlichen Positionen der
Gorlebenbefürworter und –gegner gezeigt. (Einige
BI-Vertreter haben sich hier leider durch Zwischenrufe als
nicht besonders dialogfähig gezeigt.)
Neu war für mich, was aus den Referaten der Schweiz,
Frankreich und England zu hören war. Im Grunde sind alle
mit ihren Standortauswahlverfahren der 1. Generation
gescheitert und haben sich auf neue Wege gemacht. Vor allen
die Schweiz hat Erkenntnisse des AKEnd aufgenommen und
scheint jetzt erheblich erfolgreicher zu sein. Sie nehmen
sich 10 Jahre Zeit, um einen StO auszuwählen. Dabei fließen
Dinge ein wie nationaler Konsens über Auswahlkriterien,
Bürgerbeteiligung, schrittweises Vorgehen, transparentes u.
faires Vorgehen, StO-Vergleich, Einbeziehung des Parlaments
in Entscheidungen, Rückholbarkeit für eine gewisse Zeit um
Fehler korrigieren zu können, Endlagerung als Prozess um
dem Erkenntnisfortschritt einfließen zulassen,
Einspruchmöglichkeit aber auch Freiwilligkeit von Gemeinden
und nicht zuletzt Entschädigungsregelungen für
Standortgemeinden ein.
Keines dieser Länder sucht übrigens im Salz.
Diese Forderungen bzw. Erkenntnisse wurden so oft genannt,
dass ich meine, auch die Gegenseite hat sie (jedenfalls zum
Teil) vernommen und wird vielleicht begreifen, dass es ohne
Fairness und Transparenz eben nicht geht. Ich habe auch von
keinem gehört, dass man so weitermachen könne wie bisher.
Alle wollen eigentlich einen Neuanfang.
Besonders kritisiert wurde auch die Politik (ich glaube
hier waren v.a. die Länderministerpräsidenten gemeint), die
als Hauptbremse einer Entscheidung gesehen wird. Aber auch
eine massive Vertrauenskrise in Politik, Institutionen und
Personen wegen der Vorgänge in der Asse u. Morsleben wurde
bescheinigt.
Selbst Herr Bröskamp (GNS) sagte zwar, ein
Standortvergleich würde die Probleme nur auf spätere
Generationen verschieben, aber auf harte Nachfrage nach
seiner persönlichen Meinung sagte er, man könne eine
„Analyse alternativer Standorte“ vornehmen.
Schwierig fand ich die Debatte zu den
Sicherheitsanforderungen (SA). Hier war wenig Zeit, ein
schwaches Referat (sollte das zentrale zu diesem Thema
werden) von Arens BMU und wenig Konkretes von den gesetzten
Diskussionsbeiträgen.
Für uns war besonders wichtig das Fehlen des
„intakten Deckgebirges“. Es wird stattdessen
nur von dem „einschlusswirksamen
Gebirgsbereiches“ (EWG) gesprochen. Dieser muss
allein eine wirksame und dauerhafte Barriere darstellen.
Auch die Gegenseite hat bemängelt, dass Erkenntnisse der
letzten Jahre z.T. in den SA nicht aufgenommen wurden.
Die große Frage bleibt für mich auch nicht nur das
Sicherheitskriterium und die Sinnhaftigkeit des Kriteriums,
sondern die Gewichtung, die Bewertung durch den Menschen.
Welchem Kriterium misst man welche Bedeutung zu?
Hier wird es auf jeden Fall noch Klärungs- u.
Nachbesserungsbedarf geben, das ist von allen Beteiligten
so gesehen worden.
Positiv empfand ich auch, dass weitere Gespräche angeboten
wurden und diese auch offensichtlich angenommen wurden.
Möglicherweise bleibt dafür die Programmkommission im Amt.
Auch wird es eine Nachbereitung des Symposiums geben. Die
Vortragsfolien sollen ins Netz gestellt werden. Fried von
Bernstorff hat eine sehr interessante Seite ins Netz
gestellt (www.endlagersymposium.de)
auf der man u.a. O-Töne von Teilnehmern hören kann.
Gartow den 2.11.08
Für
die Bäuerliche Notgemeinschaft
Ulrich v. Mirbach