Presseerklärung nach den Demonstrationen gegen den Atommülltransport
Das Atomproblem ist wieder in der öffentlichen Diskussion
Die Bäuerliche Notgemeinschaft bedankt sich bei allen UnterstützerInnen und MitdemonstrantInnen, die bei uns im Wendland waren und mit uns gegen die Atompolitik der Bundesregierung demonstriert haben. Die enorme Beteiligung an den Protesten hat für ein großes Medienecho gesorgt deutlich gemacht, daß unsere Forderung nach einem Atomausstieg und einem verantwortlichen Umgang mit dem Atommüll von einem großen Teil der Bevölkerung mitgetragen wird. Besonders freut uns, dass so viele junge Menschen dabei waren.
Wir sind erleichtert, dass die Demonstrationen und Widerstandsaktionen überwiegend friedlich und besonnen waren. Dafür möchten wir uns bei den Demonstranten ausdrücklich bedanken. Unser Dank geht auch an die Polizeiführung dafür, dass sie bei der Mehrzahl der Einsätze darauf geachtet hat, Eskalationen zu vermeiden und sich speziell bei den Aktionen in Grippel und Quickborn sehr umgänglich gezeigt hat.
Dieser Atommülltransport hat das Problem der Atomenergie wieder in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gebracht. Die Havarien in Krümmel und Brunsbüttel, in französischen und schwedischen Atomkraftwerken und besonders die unglaublichen und desaströsen Vorgänge um das Atommülllager Morsleben und das "Vorzeige-Endlager" Asse zeigen mit der schlagenden Beweiskraft des Faktischen, dass wir endlich einen verantwortungsvollen Umgang mit Atomenergie und Atommüll brauchen. Und der sieht anders aus als das, was die Bundesregierung und Energiekonzerne wollen: Die Atommeiler bis zum St.Nimmerleinstag weiter laufen lassen und einfach den seinerzeit aus politischen Gründen gewählten Salzstock Gorleben zum Endlager erklären. Gegen alle Bedenken und Einwände, ohne einen Vergleich mit anderen Standorten – und gegen die ortsansässige Bevölkerung.
Wir fordern, die Suche nach einem Endlager neu zu beginnen. In einem offenen Verfahren müssen mehrere mögliche Endlagerstandorte miteinander verglichen werden, nach internationalen Standards und Eignungskriterien – und mit Beteiligung der Bevölkerung.
Vor allem fordern wir den sofortigen Atomausstieg, um die Produktion weiteren hochgefährlichen Atommülls endlich zu beenden. Das gebietet unsere Verantwortung gegenüber den nachfolgenden Generationen, die diese schwere Hypothek von unserer Generation übernehmen müssen.
Im nächsten Bundestagswahlkampf 2009 werden wir diese Forderungen erneut zu einem öffentlich diskutierten Thema machen. Eine weitere Zwischenlagerung des Atommüll-Problems, wie sie seit Jahren durch CDU/CSU, FDP und SPD stattfindet, werden wir nicht akzeptieren.
Sonntag, 10. November 08
Persönliche Erklärung der acht Aktivisten, die sich in Grippel an die Betonblöcke angekettet haben
Warum unser Protest?
- weil wir mit unseren Aktionen immer wieder unsere Finger in die offene Wunde der Atomtechnologie legen wollen: die ungelöste Entsorgungsfrage!
- weil wir es nicht zulassen, dass geldgeile Atommanager , machtgeile Politiker und gewissenlose Polizeistrategen unseren Boden und unser Wasser auf alle Zeiten mit Strahlenmüll vergiften!
- weil die absaufende Asse uns zum wiederholten Mal Recht gibt: wenn der Probe-Salzstock nicht mal ein paar Jahrzehnte dicht ist, wie soll dann Gorleben Hundertausende von Jahren halten?
- weil wir verhindern wollen, dass e i n menschliches Versagen (Klimakatastrophe) gegen ein a n d e r e s (Atomtechnik) auf dem Rücken der Menschen ausgespielt wird!
- weil wir zeigen wollen, dass auch unsere Kanzlerin nur über eine allzu menschlich mangelhafte Weitsicht verfügte, als sie 1996 als Umweltministerin vorhersagte, dass der Protest im Wendland spätestens nach dem 3. Transport 1998 am Ende sei.
- weil wir nicht einsehen, dass für Bänker und Aktionäre mal eben innerhalb einer Woche den Bürgern 500 Milliarden aus der Tasche geholt werden und auf der anderen Seite die angeblich und wider besseres Wissen in Gorleben verbuddelten 2 Milliarden als ernsthaftes Argument für die Eignung des Salzstocks für alle Ewigkeit herhalten soll.
- weil wir den Lügen vom „billigen“ Atomstom entgegentreten wollen : rechnet man alle Kosten, d. h. auch die der Entsorgung, mit ein, ist dieser Strom der mit Abstand teuerste!
- weil wir wieder mal mit unseren Argumenten in puncto Behältersicherheit Recht hatten. Oder was ist mit der Neutronenstrahlung?
- weil wir nicht wollen, dass uns zehntausende grüne Männchen, die jetzt schwarz werden, noch weitere 30 Jahre auf die Nerven gehen.
- weil wir zeigen wollen, dass die hochgelobten und -bezahlten Atomtechniker trotz allen staatlichen Entgegenkommens und behördlichen Begünstigungen in 3 Jahren nicht mal in der Lage sind, Transportbehälter zu bauen und genehmigt zu bekommen, und sich stattdessen bei den Franzosen welche borgen müssen!
- weil wir Tschernobyl noch nicht vergessen oder verdrängt haben.
- weil uns auch nach 30 Jahren gewaltfreien Widerstands immer noch was Neues einfällt.
- weil unsere Kinder und Kindeskinder auch zukünftig hier weiter leben wollen!
- weil alles gesagt ist, ausser: Gorleben soll leben!
Sonnabend, 08. November
Größte Demonstration seit vielen Jahren in Gorleben:
25 Jahre Atom-Widerstand – und er ist kein bisschen müde
Mehr als 16.0000 Menschen und mehr als 400 Traktoren waren vor den Atomanlagen in Gorleben auf der Strasse. Die Atomgegner haben damit – für viele unerwartet – ein starkes Zeichen gesetzt.
Besonders auffällig war die große Zahl der jungen DemonstrantInnen. Auch hinter dem Steuer der Traktoren saß oft schon die nächste Widerstands-Generation, die der Enkel.
Das ist besonders erfreulich angesichts der Kampagne der Atomlobby für die angeblich “billige“ Atomenergie, die in diesem Jahr durch die besonders stark gestiegenen Ölpreise auch besonders starken Rückenwind bekam. Und weil speziell CDU und FDP sich immer deutlicher auf ein Atommüllendlager im Gorlebener Salzstock festlegen, mit dem Argument, man habe nun genug Geld ausgegeben.
Das einsturzgefährdete Endlager Morsleben und das Endlager Asse, das sich allmählich in eine gigantische radioaktive Blase aus Salzschlamm und Atommüll verwandelt, führen nun auch bei den Gewerkschaften zu einem Umdenken. Dies hat der Redebeitrag von der IG-Metall bei der heutigen Kundgebung erfreulich klar ausgedrückt.
Auch dies ist eine wichtige Zäsur für den Widerstand gegen die Atomenergie.
Die Bundesregierung gerät immer stärker unter Rechtfertigungsdruck, und dies besonders deshalb, weil mittlerweile bekannt wird, wie anders unsere europäischen Nachbarn nach einer Lösung für das Endlagerproblem suchen. Die CDU/SPD-Koalition dagegen taktiert und verschleppt und verweigert sich einem Vergleich mehrerer Standorte. Verantwortungsvolle Atompolitik sieht anders aus.
Verantwortungsvolle Atompolitik legt die laufenden Atommeiler so schnell wie möglich still und stellt die Produktion weiteren hochgefährlichen Atommülls ein.
Verantwortungsvolle Atompolitik vergleicht die möglichen Standorte für ein Endlager nach international gültigen Kriterien – und wählt den aus, der geologisch den Ansprüchen an eine sichere Endlagerung standhalten kann. Einen Standort, der auch das Zurückholen eventuell reparaturbedürftiger Müllfässer noch mehrere hundert Jahre lang ermöglicht.
Verantwortungsvolle Atompolitik beteiligt die Bevölkerung bei diesen Planungen.
All das tut die Bundesregierung – ebenso wie ihre Vorgänger – nicht. Sie ignoriert alle wissenschaftliche Einwände und internationale Standards bei der Endlagersuche. Sie erklärt einfach das Bergwerk in Gorleben zum Endlager und produziert munter weiteren Atommüll. Das nennen wir unverantwortlich. Ganz besonders unverantwortlich gegenüber den nachfolgenden Generationen.
Gegen diese Politik haben heute so viel so viele Menschen protestiert wie seit etlichen Jahren nicht mehr. Das zeigt: Die Stimmungsmache der Atomlobby für Atomenergie ist nicht angekommen. Ganz besonders nicht bei der jungen Generation.
Donnerstag, 06. November 08
Zum Atommülltransport ins Gorlebener ZwischenlagerNovember 2008
Seit 11 Jahren werden unter immer gleich bleibendem Protest hochradioaktiver Atommüll nach Gorleben gebracht und zur trockenen Lagerung für unbestimmte Zeit in eine einfache Wellblechhalle gestellt.
Mit jedem neuen Atommüllbehälter wird die Wahrscheinlichkeit, dass der Salzstock bei Gorleben zum Endlager gemacht wird, größer.
In der Zeit vom 30.10.08 -1.11.08 fand in Berlin ein Symposium zu diesem Thema der Endlagerung von hochradioaktiven Abfällen statt, Veranstalter war Siegmar Gabriel, unser Umweltminister. Nach seiner Eröffnungsrede möchte man ihm abnehmen, dass er sich intensiv mit diesem Thema befasst. Doch geht es hier nicht nur um die wissenschaftliche Klärung der Sachverhalte, da sind sich fast alle einig. Viel schwieriger ist die politische Lösung.
Während andere Staaten auch in alternativen Formationen, wie Granit oder Ton, suchen, hat man sich hier in der Bundesrepublik auf den Salzstock in Gorleben „eingeschossen“.
Vor allem Bayern und Baden-Württemberg, wo neun der 17 noch aktiven deutschen Atomkraftwerke stehen, lehnen eine Standortsuche im Tongestein ihrer Länder ab. Derzeit liegt das strahlende Material in den Zwischenlagern in Gorleben, Ahaus und Lubmin, sowie in den Lagern an allen Kraftwerksstandorten, die nach dem Atomkonsens von 2001 errichtet wurden.
Der Gorlebener Salzstock war von der wissenschaftlichen Seite nie die erste Wahl und immer umstritten – nun argumentieren die Politiker, dass in die Erkundung schon so viel Geld geflossen sei, dass man hier auch vorrangig weiter erkunden solle.
Vertreter aus der Schweiz , Frankreich und England haben auf dem Symposium dargestellt, dass sie nach gescheiterter Suche nach einem geeignetem Endlager jetzt damit wieder bei Null beginnen, diesmal mit intensiver Einbindung von unterschiedlichen, auch kritischen Bevölkerungsgruppen.
Wir Bauern fordern, das auch die Bundesrepublik diesen Weg geht. Der Arbeitskreis Endlager (AK-End) hat für dieses Vorgehen schon gute Vorarbeit geleistet. Und wer als Staat viele Milliarden zur Rettung von Banken aufbringt, kann nicht glaubwürdig die nötigen Gelder verweigern, die zu einer fundierten Lösung eines Jahrhundertproblems, wie es die Entsorgung unseres hochradioaktivem Mülls darstellt, nötig sind.
Dieser Atommüll strahlt aber über den unvorstellbar langen Zeitraum von vielen 100.000 Jahren in einer tödlichen Dosis. Die Sicherheit unserer, sowie nachfolgender Generationen hat absoluten Vorrang, da sind finanzielle Einwände inakzeptabel!
Das Vorgehen der Verantwortlichen mit den Problemen in der Asse und in Morsleben sind alles andere als vertrauenserweckend.
"Es sind die gleichen Experten und Vertreter der gleichen Parteien, die uns in der Asse und in Gorleben immer wieder absolute Sicherheit versprochen und felsenfest behauptet haben, alle technischen Probleme im Griff zu haben", sagt der Energiereferent Dirk Seifert. "Wir können nach dem Asse-Skandal doch jetzt nicht einfach so weitermachen, und in ein paar Jahrzehnten wiederholt sich ein Desaster noch schlimmeren Ausmaßes dann in Gorleben“.
Und noch einmal ist in Berlin deutlich geworden:
Es gibt weltweit kein sicheres Konzept für die Endlagerung von radioaktivem Müll !
Daher bleibt uns auch keine andere Wahl, als wieder mit unseren Treckern auf die Straße zu gehen und, wie die vielen Jahre vorher auch, auf diese Problematik aufmerksam zu machen. Der Slogan, den Castor zu stoppen, steht für die Forderung, endlich dem atomaren Wahnsinn ein Ende zu setzten und sich dann um eine sichere Lagerung zu kümmern.
Diese Erklärung können Sie hier als PDF-Datei herunterladen.
Donnerstag, 06. November 08
Friedliche Wiederbelebung der „Republik Freies Wendland“
Nach fast 30 Jahren wollen wir die „Republik Freies Wendland“ wiederbeleben. Aus Anlass des Castor-Transportes wird ein Dorf aus Strohballen als Symbol für gewaltfreies Bürgerengagement und demokratische Mitbestimmung aufgebaut und belebt. Am Ortsrand von Gedelitz wird ab Montag, dem 3.11., aus Strohballen ein Dorf aus sechs kleinen Häusern und einem großen Freundschaftshaus aufgebaut. Direkt an der Hauptstrasse nach Gorleben, jedoch außerhalb der Sperrzone, soll die „Republik Freies Wendland“ wiedererwachen.
Eröffnung der Republik ist am Freitag, dem 7.11. um 15:00
Uhr mit einer Pressekonferenz. Hier werden alle relevanten
Informationen über die Wendenpässe und den
WendenPresse-Ausweis mitgeteilt. Des Weiteren folgt,
zeitgleich mit dem Erscheinungstag, die Präsentation des
Buches „ÜberMacht und Phantasie“ durch die
Autoren Susanne Kamien und Max Rheinländer, in welchem der
Werdegang der Castor-Transporte, des
„Endlagers“ und des Widerstandes dokumentiert
sind.
Ab dem späten Abend wird ein 1000 m langes Transparent aus
Baumwollnessel als Ausdruck der Gewaltfreiheit und des
Bürgerwillens mit Frieden stiftenden Symbolen und Sprüchen
bemalt und beschriftet. Ab 12.15 Uhr werden wir mit den
Menschen, die zur Auftaktkundgebung unterwegs sein werden,
mittels einer La Ola-Welle eine Qualitätskontrolle
durchführen. Da dieses Transparent für die Nachwelt
erhalten bleiben soll und auf eine Tour durch Europa gehen
soll, ist es notwendig, dass es noch weiteren
Qualitätsprüfungen unterzogen werden muss.
Im Dorf gibt es eine Volxkantine und einen Teesalon/Café,
das „Haus der alten Republik“ mit Infos zur
Geschichte der „Republik Freies Wendland –
1980“, das Infohaus mit Bildern des aktuellen
Castortransportes und der begleitenden Aktionen. Workshops
im Freundschaftshaus ergänzen das Programm der
Veranstaltung vom 7. bis 10.11.2008. Für Fragen steht Ihnen
Bürger Jochen an unserem wendischen Republik-Telefon unter
05841-9798-16 zur Verfügung.
Friedliche wendische Grüße
Heinrich Kranz
Veranstalter
Diese
Erklärung können Sie hier als PDF-Datei
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