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Das Ende

 Deutschland braucht einen neuen Atomkonsens – und diesmal einen, der seinen Namen wirklich verdient. Dieser Castortransport hat gezeigt, dass die schwarzgelbe Atompolitik nicht durchzuhalten sein wird. Wenn sich so viele Menschen trotz des denkbar fiesen nasskalten Wetters auf den Weg ins Wendland gemacht haben: Wie würde dann erst ein Castortransport im Sommer aussehen? Er wäre unmöglich durchzubringen.

Die Regierung Merkel hat den alten, industriefreundlichen Atomkonsens der rotgrünen Regierung verbrannt – und dabei die gesamte deutsche Atompolitik mit angezündet. Gorleben als „Endlager“ für Atommüll wäre nur noch mit massiven staatlichen Machtmitteln durchzusetzen. Das jedoch verbietet sich in einer Frage von solcher Tragweite. Die Lösung des Atommüllproblems ist auf das Vertrauen der Bevölkerung angewiesen, und wird es noch viele Generationen lang sein.
Für die Bäuerliche Notgemeinschaft waren diese Castortage ein Erfolg. Der Einsatz von Gewalt, die Zahl der Verletzten hat zwar ein schlimmes Ausmaß erreicht. Angesichts der vielen zehntausend Menschen auf Plätzen, Strassen und Schienen, angesichts der teilweise völlig überforderten und erschöpften Einsatzkräfte aber ist der Transport noch einigermassen glimpflich gelaufen. Die Anwältin Ulrike Donat sagt es ganz richtig: „Wer junge Polizisten frisch von der Ausbildung in so einen Einsatz schickt, und das über mehr als 20 Stunden ohne Pause, der kalkuliert den Rechtsbruch mit ein.“

Wir haben eine Polizei erlebt, die deutlich sichtbar uneins war und im Konflikt mit ihrem Auftrag stand. Und viele Einsatzleiter/innen, die trotz der schwierigen Bedingungen oft zu Verhandlungen bereit waren.
Wir haben eine Landesregierung erlebt, die offensichtlich Druck auf die Polizei ausgeübt hat, eine harte Linie zu fahren. Ohne Rücksicht auf die Beamten, die das vor Ort ausbaden mussten. Entsprechend stark war die Kritik der Gewerkschaft der Polizei.

Die Bauern und Bäuerinnen auf ihren Traktoren waren diesmal nicht auf die Transportstrecke fixiert, haben sich nicht auf Kraftproben mit der Polizei eingelassen. Wir wollten die Menschen auf den Schienen und Strassen unterstützen, sind dabei flexibel geblieben und haben weite Teile des Landkreises genutzt. So wichtig, wie den Nachschub der Polizei zu stören war es uns, die Versorgung der Blockierer sichern zu helfen. Unsere Küchen haben tonnen- und hektoliterweise Lebensmittel an die Schiene geliefert. Den Spender/innen der Lebensmittel, ob Privathaushalte oder Betriebe, sprechen wir unseren großen Dank aus – es war eine überwältigende Menge. Und natürlich bedanken wir uns bei den vielen Helfer/innen in unseren Küchen.

Dieser Castortransport war in erster Linie ein großer Erfolg für den gewaltfreien Widerstand, auch wenn es zu Beginn an den Schienen gewalttätige Auseinandersetzungen gegeben hat. Er hat gezeigt, dass die Mehrheit der Bevölkerung unseres Landkreises weder ein Atommüllendlager in Gorleben noch eine Fortsetzung der atomlobbyfreundlichen Politik akzeptieren wird. Und dass die Mehrheit der deutschen Bevölkerung hinter ihr steht und diese Frage nicht mehr als regionales Problem betrachtet.
Dieser Castortransport ist ein Wendepunkt gewesen.