Im Kern des Atoms

Heisst es: Ralf Güldner, Präsident des Deutschen Atomforums, spricht für die Kernenergie?
Oder: Ralf Güldner, Präsident des Deutschen Kernforums, spricht für die Atomenergie?
Heisst es Atomkraftwerk oder Kernkraftwerk? Atomstrom oder Kernstrom? Atommüll oder Kernmüll?
Atomkraft oder Kernkraft?

Nun versteht man unter Kernkraft eigentlich keinen Strom. Sondern die Kraft, mit der sich die Nukleonen gegenseitig anziehen. Nukleonen sind die Bestandteile des Atomkerns, also Protonen und Neutronen. Der Atomkern ist das Zentrum des Atoms. Wenn er gespalten wird, wird Energie frei.

Damit ist die Sache geklärt. Es müsste heissen:
Ralf Güldner ist der Präsident des Deutschen Atomkernforums und spricht für die Atomkernspaltungsenergie. Besser gesagt, für die Unternehmen, die Mitglied des Vereins „Deutsches Atomforum“ sind.
Seit dem September 2008 ist Ralf Güldner Mitglied der Geschäftsführung der E.ON Kernkraft GmbH (EKK) in Hannover – muss es nicht heissen „E.ON Atomkernkraft“? – und seit November 2008 Stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung. Seit April 2010 ist er Präsident des Deutschen Atomforums, besser gesagt „Atomkernforums“.

Wie auch immer, das Atomforum behauptet unablässig, „mit dem Salzstock Gorleben verfügt Deutschland nach allen bisher gewonnenen Erkenntnissen über einen geeigneten Endlagerstandort für hochradioaktive Abfälle.“ Ralf Güldner, Präsident des Deutschen Atomforums, spricht also für ein Kernmüllendlager im Gorlebener Salzstock. Auch wenn die "Erkundung" noch gar nicht beendet ist. Er spricht auch für die weitere Anwendung des alten Rahmenbetriebsplanes von 1982, nicht die Anwendung des aktuellen Atomrechts. Damals sei das Bergrecht, was Öffentlichkeitsbeteiligung angeht, vergleichsweise fortschrittlich gewesen. Es gab einen Gespächskreis. Das sprach er in der Elbe-Jeetzel-Zeitung vom Freitag.

1982 … damals haben sich Abba getrennt, ist Helmut Kohl geworden, die polnische Gewerkschaft Solidarność wurde verboten. Damals gab es auch noch das Fernsehballett und die DDR. Nicole, damals erst 17 Jahre alt, gewann mit „Ein bißchen Frieden“ den Grand Prix.
1982 war eine schöne Zeit, Dr. Ralf Güldner arbeitete da noch bei den Brennelementewerken in Hanau.

Bundeswehr im Castoreinsatz?

Die Bundeswehr unterstütze die Bundespolizei in Gorleben nur durch Bereitstellung von Unterkünften, Hubschrauberlandeplätzen sowie Park- und Unterstellmöglichkeiten für Fahrzeuge und Großküchen, sagte heute ein Sprecher des Bundesinnenministeriums. Die Auskunft der Bundesregierung an den Abgeordneten Ströbele, die Bundeswehr werde beim Castoreinsatz „Amtshilfe“ für die Polizei leisten, hatte zuvor einiges Aufsehen erregt.
Weder in der Region Gorleben noch im ganzen Kreis Lüchow-Dannenberg gibt es Kasernen oder Hubschrauberlandeplätze der Bundeswehr. Parkplätze für Bundeswehrfahrzeuge sind hier ebenfalls unbekannt. Also werden die „Unterstützungsleistungen“ mit etlichen Kilometern Anfahrtswegen verbunden sein. Sollen wir uns Gulaschkanonen vorstellen, oder ein Musikkorps, das bei herbstlicher Kälte für gute Stimmung sorgt?
Nein, ein Einsatz der berüchtigten Tornado-Aufklärer sei nicht geplant. „Derzeit“, muss man da wohl anfügen. Auch nicht der Einsatz von Einsatzkräften der Bundeswehr, sagte ein Sprecher, das gebiete die grundgesetzliche Trennung von Bundeswehr und Polizei.
Es gehört nicht viel Phantasie dazu, sich vorzustellen, dass der Zug mit dem Atommüll hinter Dahlenburg in große Schwierigkeiten gerät. Der Schienenweg durch die großen Waldgebiete ist unübersichtlich und nur über schmale Wege zugänglich, also schwer zu sichern. Was ist, wenn der Zug stoppen muss? Wenn die Lage so prekär wird, dass man eine Verletzung des Grundgesetzes riskieren müsste?
Dann werden wir uns sicher auf eine Amtshilfe der Bundeswehr einrichten müssen, die über die Bereitstellung von Parkplätzen und belegten Broten deutlich hinausgeht. Das juristische Risiko durch so eine läppische Gesetzesübertretung wäre kalkulierbar. Der Gesichtverlust für die Bundesregierung durch einen gescheiterten Atommülltransport wäre es nicht.

Jedse Jahr wieder: Versammlungsverbot

Die Großkundgebung am 6. November bei Dannenberg ist noch erlaubt – aber vom 7. November bis zum 16. November 24 Uhr sind "alle öffentlichen Versammlungen unter freiem Himmel und Aufzüge (so genannte Spontanversammlungen)“ an den Transporstrecken untersagt. Dies wurde von der Polizeidirektion verfügt und in der Elbe-Jeetzel-Zeitung vom Sonnabend, d. 23. Oktober, veröffentlicht. So ist das bei jedem Castortransport. Nichts Neues also: Der Castor kommt, die Freiheit geht.