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Von oben nach unten: Anne Peters, 80 Jahre (im Ruhestand); Heinrich Pothmer, 63 Jahre (Landwirt); Fritz Pothmer, 32 Jahre (Landwirt); Gesine Wiese, 16 Jahre (Schülerin) (Fotos: Gorleben Archiv und kina.becker@pictonet)

Gorleben-Aktionstage im Februar

40 Jahre Standortbenennung Gorleben:  40 Jahre Widerstand

40 Jahre, so lange ist es jetzt schon her, dass der ehemalige niedersächsische Ministerpräsident Ernst Albrecht Gorleben per Fingerzeig zum “Nuklearen Entsorgungszentrum” erklären wollte.

22. Februar 1977: Mit Spannung wird in Lüchow der Standortbeschluss für ein „Nukleares Entsorgungszentrum“ in Niedersachsen erwartet. Um 16.30 Uhr kommt die Hiobsbotschaft und macht Gorleben in einer Minute zum bekanntesten Dorf der BRD – und seitdem ist alles anders als bisher.

1977 war auch das Gründungsjahr der Bäuerlichen Notgemeinschaft. Es waren nicht selten durchaus sehr angesehene und alteingesessene Familien, aus denen tatkräftige Aktivisten gegen die staatliche Atompolitik kamen. So gehörten die (im Jahre 2000 leider verstorbene) Undine von Blottnitz, die später ins Europaparlament einzog, und ihr Mann Fritz zu den engagiertesten Gründungsmitgliedern der “Bäuerlichen Notgemeinschaft”.

Was folgte sind 40 Jahre Protest und Widerstand, verwaltungsrechtlichen Auseinandersetzungen – mit unzähligen Demonstrationen und Aktionen, mit einer Dauerdebatte und mit Höhen und Tiefen. Mit Bespitzelung, Diskriminierung und Kriminalisierung. Doch das Mehrgenerationenprojekt des Gorleben-Widerstands hat durchgehalten. Musste durchhalten, denn bis heute ist nichts wirklich geklärt.
Zwar ist seit jenem 22. Februar 1977 vieles verhindert worden: eine Wiederaufarbeitungsanlage, eine Brennelementefabrik, und so bleibt derzeit eine Pilotkonditionierungsanlage, die den “heißen” Betrieb nicht aufgenommen hat, ein Endlagerbergwerk ohne Atommüll, ein Fasslager mit Rostfässern und in der Castorhalle mit 420 Stellplätzen stehen “nur” 113 Castoren. Und unter Tage gibt es im Salzstock Gorleben ein Bergwerk, Gorleben ist bei der angeblich offenen Endlagersuche als einziger Standort „gesetzt“.

Wir haben Geschichte geschrieben, Atom-Ausstiegsgeschichte. Doch es ist weiter Aufklärung und Widerstand nötig! Im Wendland ist eine Protestkultur gewachsen, die sich als soziale Bewegung verankert hat.

Wir feiern die Erfolge und schöpfen Kraft für kommende Aufgaben: den Atomausstieg vorantreiben, Atommüll sicherst und nicht billigst lagern lassen, unnütze Atomtransporte beenden, die Energiewende vollenden. Am Sonnabend, d. 18. Februar beginnen unsere Aktionstage, gemeinsam mit der BI Lüchow-Dannenberg.


Wo ist der Atommüll in 40 Jahren?

Nachdem immer deutlicher wurde, dass der Durchmarsch auf ein Endlager im Salzstock von Gorleben nicht klappen würde, hat die staatliche Atompolitik einen anderen Kurs eingeschlagen: Die vergleichende Standortsuche.  2013 verabschiedeten die Bundestagsparteien dafür ein Gesetz, das “StandAG”. Allerdings in grösster Eile und ohne die Öffentlichkeit zu beteiligen. Eine Bewertung der Fehler, die beim Endlagerprojekt Gorleben gemacht wurden, fand ebenfalls nicht statt. Stattdessen wurde der Standort Gorleben als einziger per Gesetz gesetzt. Eine Überprüfung dieses hastig zusammengeschriebenen Gesetzes sollte dann die “Endlagerkommission” nachholen und Verbesserungsvorschläge liefern. Die gab 2016 ihren Bericht ab – auch der wurde von uns stark kritisiert. Die Bundesregierung hat nun einen neuen Gesetzentwurf vorgelegt, er soll spätestens im März auch vom Bundesrat verabschiedet sein. Also wiederum in allergrösster Eile. Auch zu diesem Gesetz haben wir eine ausführliche Kritik geschrieben.

Über die Perspektiven der zukünftigen Atommüll-Entsorgung und der Kritik daran diskutieren Hanna Poddig (Contratom) / Ursula Schönberger (atommüllreport/AG Schacht KONRAD) / Jochen Stay (.ausgestrahlt) / Hans-Werner Zachow (Bäuerliche Notgemeinschaft Lüchow-Dannenberg) / Martin Donat (BI Umweltschutz Lüchow-Dannenberg).

Mittwoch, 22, Februar, 19.00 Uhr, Gasthaus Sültemeier, Dünsche


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Plater Kreisel am 18. Februar

120 Traktoren in Gorleben

Der  Auftakt war stark: In zwei Konvois starteten am Sonnabend mehr als 120 Traktoren der Notgemeinschaft nach Gorleben. Einsam blieb am Player Kreise ein Anhänger zurück und dient vorerst als antiatomares Mahnmal.

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Wir kämpfen seit 1977 gegen die Atomlobby.
Unser Motto: “Niemals aufgeben!”
Auch nach dem “Atomkonsens” von 2013 können wir nicht zufrieden sein.

Die abgebrannten Brennstäbe aus den Atomkraftwerken sind immer noch hochradioaktiv. Die Strahlung schädigt lebendige Zellen, höhere Dosen sind tödlich. Ausserdem enthalten sie Plutonium, die giftigste Substanz, die wir kennen. Deshalb muss Atommüll über lange Zeit von allem Lebendigen ferngehalten werden. Lange Zeit bedeutet: Mehrere hunderttausend Jahre. Hochradioaktiver Müll darf niemals in Kontakt mit Luft oder Wasser kommen. Alles in seinem Strahlenbereich wird ebenfalls radioaktiv.
Die abgebrannten Brennstäbe werden “zwischengelagert”. Ein Teil von ihnen in Zwischenlagern an den Atomkraftwerken, die meisten im Zwischenlager Gorleben, einer großen belüfteten Halle. Der Atommüll ist dort noch in den Transportbehältern eingeschlossen, den “Castoren”. Ihnen wird eine Lebensdauer von etwas 40 Jahren zugebilligt. Was dann damit geschehen soll, ist noch offen. Weltweit gibt es noch kein “Endlager” für hochradioaktiven Müll.
Grundsätzlich gibt es drei Konzepte:
1. Die Tiefenlagerung in einem Salzstock, von dem man annimmt, dass er über hunderttausende Jahre stabil bleiben. Das weiche Salz fließt und nimmt den Atommüll über die Jahrhunderte mit. Dabei ist nicht ausgeschlossen, dass er irgendwann in Kontakt mit Wasser und anderen Flüssigkeiten kommt, die dann das Grundwasser oder Teile der oberen Erdkruste radioaktiv verseuchen.
2. Die Tiefenlagerung in Tongestein oder Granit. Der Atommüll steht in Kavernen und bleibt im Prinzip rückholbar.
3. Ein oberirdisches Lager, das jederzeit zugänglich bleibt, bewacht und kontrolliert wird. Allerdings bliebe es dann auch zugänglich für feindliches Militär und Terroristen, die mit dem Atommüll “schmutzige Bomben” bauen und ganze Regionen unbewohnbar machen könnten.
Nach einer kurzen Anstandspause, ausgelöst durch die Havarie der Atomkraftwerke bei Fukushima, fassen einige Staaten und Unternehmen wieder den Neubau von Atomkraftwerken ins Auge. Dazu gehören natürlich Russland und Staaten wie Iran oder Argentinien, aber auch Großbritannien und Finnland. Sie alle nehmen in Kauf, dass es nach wie vor keine Lösung für den hochradioaktiven Müll gibt, den sie erzeugen werden. Diese Sorge überlassen sie den kommenden Generationen.