Fast 70.000 Unterschriften gegen Schacht Konrad

Schacht_KonradGegen die Einlagerung von Atommüll im alten Bergwerk “Schacht Konrad” hat sich ein denkwürdiges Bündnis gebildet. Dazu gehören neben der seit je dort aktiven Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad auch die Stadt Salzgitter, örtliche Gewerkschaften und: Das Landvolk, also der niedersächsische Bauernverband. Vielleicht hat dort ein Umdenken stattgefunden – gegen ein Atommülllager Gorleben wollte sich die Landvolk-Führung seinerzeit nicht positionieren. Die in der Region lebenden Bauern fühlten sich nicht mehr vertreten und gründeten vor 37 Jahren die Bäuerliche Notgemeinschaft.

Im Raum Salzgitter hat die Initiative nun fast 70.000 Einwendungen gesammelt, die am 28. Mai dem Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Joachim Flasbarth, überreicht wurden. Der sah sich angesichts dieser unerwartet umfangreichen Listen zu einer Äusserung des Respekts genötigt. Eigentlich wollte das Ministerium eine Beteiligung der Öffentlichkeit bei der Ausweitung der Einlagerungspläne vermeiden und versuchte, die Möglichkeit zu Einwendungen im Dunkeln zu halten. Das hat ganz und gar nicht geklappt.

(Foto: Mion / Wikipedia)

WiderstandsPartie: Riesengroßer Erfolg

Widerstandspartie-1Damit haben auch wir nicht gerechnet: Viele tausend Besucher/innen kamen zur WiderstandsPartie an die Atomanlagen. Die Bürgerinitiative Umweltschutz hatte die Veranstaltung organisiert, dreissig Austeller/innen der KLP hatten ihre Stände aufgebaut, auf der Bühne gab’s Musik und Theater. Auch die Bäuerliche Notgemeinschaft war mit einem Infostand präsent und hatte Info-Fahrten mit Traktoren und Anhängern um das Bergwerksgelände im Angebot, die ständig bis auf den letzten Platz besetzt waren. (mehr lesen)

Leider gab es in der Nacht auch Auseinandersetzungen am äusseren Zaun des Bergwerksgeländes. Die Darstellungen darüber gehen auseinander – vermutlich hat der Großteil der Besucher die gar nicht mitbekommen. (mehr lesen)

Storch_Farbe_Frei

Wir kämpfen seit 1977 gegen die Atomlobby.
Unser Motto: “Niemals aufgeben!”
Auch nach dem “Atomkonsens” von 2013 können wir nicht zufrieden sein.

Die abgebrannten Brennstäbe aus den Atomkraftwerken sind immer noch hochradioaktiv. Die Strahlung schädigt lebendige Zellen, höhere Dosen sind tödlich. Ausserdem enthalten sie Plutonium, die giftigste Substanz, die wir kennen. Deshalb muss Atommüll über lange Zeit von allem Lebendigen ferngehalten werden. Lange Zeit bedeutet: Mehrere hunderttausend Jahre. Hochradioaktiver Müll darf niemals in Kontakt mit Luft oder Wasser kommen. Alles in seinem Strahlenbereich wird ebenfalls radioaktiv.
Die abgebrannten Brennstäbe werden “zwischengelagert”. Ein Teil von ihnen in Zwischenlagern an den Atomkraftwerken, die meisten im Zwischenlager Gorleben, einer großen belüfteten Halle. Der Atommüll ist dort noch in den Transportbehältern eingeschlossen, den “Castoren”. Ihnen wird eine Lebensdauer von etwas 40 Jahren zugebilligt. Was dann damit geschehen soll, ist noch offen. Weltweit gibt es noch kein “Endlager” für hochradioaktiven Müll.
Grundsätzlich gibt es drei Konzepte:
1. Die Tiefenlagerung in einem Salzstock, von dem man annimmt, dass er über hunderttausende Jahre stabil bleiben. Das weiche Salz fließt und nimmt den Atommüll über die Jahrhunderte mit. Dabei ist nicht ausgeschlossen, dass er irgendwann in Kontakt mit Wasser und anderen Flüssigkeiten kommt, die dann das Grundwasser oder Teile der oberen Erdkruste radioaktiv verseuchen.
2. Die Tiefenlagerung in Tongestein oder Granit. Der Atommüll steht in Kavernen und bleibt im Prinzip rückholbar.
3. Ein oberirdisches Lager, das jederzeit zugänglich bleibt, bewacht und kontrolliert wird. Allerdings bliebe es dann auch zugänglich für feindliches Militär und Terroristen, die mit dem Atommüll “schmutzige Bomben” bauen und ganze Regionen unbewohnbar machen könnten.
Nach einer kurzen Anstandspause, ausgelöst durch die Havarie der Atomkraftwerke bei Fukushima, fassen einige Staaten und Unternehmen wieder den Neubau von Atomkraftwerken ins Auge. Dazu gehören natürlich Russland und Staaten wie Iran oder Argentinien, aber auch Großbritannien und Finnland. Sie alle nehmen in Kauf, dass es nach wie vor keine Lösung für den hochradioaktiven Müll gibt, den sie erzeugen werden. Diese Sorge überlassen sie den kommenden Generationen.