Standby

Zusammen mit vielen anderen Atomkraftgegner*innen aus Lüchow-Dannenberg ist die Bäuerliche Notgemeinschaft 1979 nach Hannover gezogen, um gegen die Atomanlagen in Gorleben zu protestieren. Seitdem ist viel passiert: Zwei Atommüll-Zwischenlager und eine Verpackungsanlage für hochradioaktiven Atommüll sind tatsächlich dort gebaut und ein Bergwerk aufgefahren worden, dass als Endlager dienen sollte. Mehr als hundert Castoren stehen nun In Gorleben, deren Transport die Region in teilweise bürgerkriegsähnliche Zustände versetzte. Ihre Genehmigung läuft ebenso wie die des Zwischenlagers in den 2030er Jahren ab.
Aber wir haben auch große Erfolge zu verzeichnen: 2013 gab der Bundestag den Plan auf, mit manipulativen und teilweise illegalen Methoden das Endlager obrigkeitsstaatlich durchzusetzen. Die Suche nach einem Endlager wurde neu gestartet, diesmal auf gesetzlicher Grundlage: mit dem Standortauswahlverfahren. Und im Herbst 2020 schließlich wurde der Salzstock Gorleben-Rambow in einem ersten Verfahrensschritt aus der Suche herausgenommen – er sei geologisch ungeeignet. Damit bestätigten die Geologen von der Bundesgesellschaft für Endlagersuche das, was wir seit Jahrzehnten sagen.
Am Standortauswahlverfahren für ein Endlager werden wir uns vorerst nicht beteiligen. Die Teilgebietskonferenzen, an denen Menschen aus der Bürger*innengesellschaft teilnehmen können, sehen wir wir als ein unzureichendes Partizipationsangebot an. Wir gehen davon aus, dass das Atommüllbundesamt die Teilnahme von atomkritischen Organisationen wie dem BUND, der BI Lüchow-Dannenberg und anderen in jedem Fall als Erfolgsbeweis für das staatliche Beteiligungskonzept verkaufen wird. Unserer Auffassung nach dient es lediglich dazu, das Standortauswahlverfahren zu legitimieren.
Wir sehen wir unsere Aufgabe aber nicht darin, die Suche nach einem „möglichst sicheren Endlager“ auf Konferenzen mit Vertreter*innen aus Politik und Behörden zu begleiten. Wir haben immer dafür gekämpft, Atomkraftwerke gar nicht erst zu bauen, weil wir das Atommüllproblem eben nicht werden lösen können. Uns nun in die Entsorgung einbinden zu lassen, und das auch noch ohne wirkliche Mitspracherechte, wäre in unseren Augen unsinnig.

Als regionale Organisation, die sich als Aktionsgemeinschaft versteht, müssen wir wachsam bleiben: Nach wie vor ist ungeklärt, wie lange die „Zwischenlagerung“ des hochradioaktiven Atommülls in Gorleben andauern wird. Unsere Sorge ist, dass die auslaufenden Betriebsgenehmigungen der Castoren und der dünnwandigen Halle in Gorleben einfach per Federstrich verlängert werden.

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Wir kämpfen seit 1977 gegen die Atomlobby.
Unser Motto: “Niemals aufgeben!”
Auch nach dem „Atomkonsens“ von 2013 können wir nicht zufrieden sein.

Die abgebrannten Brennstäbe aus den Atomkraftwerken sind immer noch hochradioaktiv. Die Strahlung schädigt lebendige Zellen, höhere Dosen sind tödlich. Ausserdem enthalten sie Plutonium, die giftigste Substanz, die wir kennen. Deshalb muss Atommüll über lange Zeit von allem Lebendigen ferngehalten werden. Lange Zeit bedeutet: Mehrere hunderttausend Jahre. Hochradioaktiver Müll darf niemals in Kontakt mit Luft oder Wasser kommen. Alles in seinem Strahlenbereich wird ebenfalls radioaktiv.
Die abgebrannten Brennstäbe werden „zwischengelagert“. Ein Teil von ihnen in Zwischenlagern an den Atomkraftwerken, die meisten im Zwischenlager Gorleben, einer großen belüfteten Halle. Der Atommüll ist dort noch in den Transportbehältern eingeschlossen, den „Castoren“. Ihnen wird eine Lebensdauer von etwas 40 Jahren zugebilligt. Was dann damit geschehen soll, ist noch offen. Weltweit gibt es noch kein „Endlager“ für hochradioaktiven Müll.
Grundsätzlich gibt es drei Konzepte:
1. Die Tiefenlagerung in einem Salzstock, von dem man annimmt, dass er über hunderttausende Jahre stabil bleiben. Das weiche Salz fließt und nimmt den Atommüll über die Jahrhunderte mit. Dabei ist nicht ausgeschlossen, dass er irgendwann in Kontakt mit Wasser und anderen Flüssigkeiten kommt, die dann das Grundwasser oder Teile der oberen Erdkruste radioaktiv verseuchen.
2. Die Tiefenlagerung in Tongestein oder Granit. Der Atommüll steht in Kavernen und bleibt im Prinzip rückholbar.
3. Ein oberirdisches Lager, das jederzeit zugänglich bleibt, bewacht und kontrolliert wird. Allerdings bliebe es dann auch zugänglich für feindliches Militär und Terroristen, die mit dem Atommüll „schmutzige Bomben“ bauen und ganze Regionen unbewohnbar machen könnten.
Nach einer kurzen Anstandspause, ausgelöst durch die Havarie der Atomkraftwerke bei Fukushima, fassen einige Staaten und Unternehmen wieder den Neubau von Atomkraftwerken ins Auge. Dazu gehören natürlich Russland und Staaten wie Iran oder Argentinien, aber auch Großbritannien und Finnland. Sie alle nehmen in Kauf, dass es nach wie vor keine Lösung für den hochradioaktiven Müll gibt, den sie erzeugen werden. Diese Sorge überlassen sie den kommenden Generationen.
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